Mittwoch, 22. Juli 2009

Nominums Websperren seit 2007 ein (umstrittenes) Produkt

Nominum ist der weltweit führende Anbieter von DNS-Lösungen im Unternehmensumfeld. Wie unlängst in den Medien zu lesen war, ist die US-amerikanische Firma auch der Hauptanbieter für die Technologien hinter den umstrittenen Websperren; denn diese sind eigentlich keine Sperren, sondern Umleitungen.

Websperren sind eigentlich Webumleitungen

Entgegen der vehementen Kritik von Organisationen wie ICANN (Internet Corporation for Assigned Names and Numbers, die "Internet Verwaltung"), hält Nominum das Umleiten von Web-Anfragen per DNS für eine gute Idee. Der ursprüngliche Anwendungszweck solcher Umleitungen galt dem sich vertippenden Surfer, der dann anstatt einer Fehlermeldung mit den Ergebnissen einer Suchseite empfangen wird - natürlich mit Sponsorenwerbung. Das ICANN Security and Stability Advisory Committee verabschiedete am 10. Juni 2009 eine Empfehlung, nach der das DNS-basierte Umleiten von Domainnamen bei neuen Toplevel-Domains verboten werden solle. Laut einer in der Empfehlung zitierten Studie besteht ein Risiko für bedeutende Beeinträchtigungen der Sicherheit und Stabilität von Internetsystemen.

Schon VeriSign scheiterte an einem derartigen Produkt

VeriSign (Betreiber der Toplevel-Domains .com und .net) bot einen solchen Umleitungsdienst bereits 2003 an. Nach Protesten und der strikten Verweigerung der ICANN musste VeriSign diesen jedoch wenige Wochen später wieder schließen. Auch mit einer Klage gegen ICANN scheiterte das Unternehmen. Nominum sieht in seinem Produkt Vantio NXR jedoch eine neue Chance, weil die zugrundeliegende Implementation SureSurf nicht auf der Ebene der Toplevel-Domains, sondern direkt bei den Internetprovidern eingesetzt werde. Nominum trete desweiteren nicht als Anbieter für Umleitungsdienste auf, sondern biete als Softwareunternehmen lediglich die dazu nötige technologische Basis. Damit umgeht das Unternehmen auch geschickt die Einflussmöglichkeiten der ICANN.

Wenns niemand will kaufts der Staat

Trotzdem scheint das Interesse nach einer derartigen Lösung seit der Markteinführung 2007 nicht bedeutend zugenommen zu haben. Mit Kabel Deutschland und T-Online gibt es zwar immerhin zwei große Unternehmen die derartige Umleitungen einsetzen; doch die meisten Internetprovider haben sich bislang noch gegen derartige Manipulationen am DNS-System gesträubt. Durch das Zugangserschwerungsgesetz hat sich diese Situation jedoch drastisch geändert: Vantio NXR könnte nun - per Gesetz - wohl doch noch zum durchschlagenden Erfolg werden.

[1] Is the internet ready for web redirection?

[2] Big Brother Award: Österreichischer Provider UPC testet Sitefinder Dienst (Vantio NXR)