Dienstag, 6. Oktober 2009

Bildung 2.0

Vorab muss ich sagen, dass meine Meinung zu unserem Schulsystem generell eher radikal ist - es gibt nicht sehr viel von dem ich daran noch überzeugt bin. Ich kann sehr wohl verstehen wenn viele das vielleicht anders sehen - ich nehme für mich nicht in Anspruch alles am besten zu wissen und lerne gerne dazu.

Ein paar Beispiele für Probleme unseres Bildungssystems:
  1. Sitzenbleiben
    Gilt mittlerweile als nicht sonderlich wirkungsvoll zur Förderung der Schüler; im Gegenteil es reißt sie aus ihrer gewohnten Umgebung und brandmarkt sie als Versager. Im Folgejahr haben sie meistens wieder die gleichen Probleme aber dafür ein Jahr verschwendet.
  2. Zensuren
    Sicherlich eine der radikaleren Ideen, aber ich halte Zensuren - in ihrer üblichen Form für kontraproduktiv, diskriminierend und schädlich. Wenn man ein wenig darüber nachdenkt, kann man zu dem Schluss kommen:
    1. Noten zwischen Schülern sind nicht objektiv vergleichbar
    2. Noten zu unterschiedlichen Arbeiten/Aufgaben sind nicht objektiv vergleichbar
    3. Noten zwischen Klassen sind nicht objektiv vergleichbar
    4. Noten zwischen Jahrgängen sind nicht objektiv vergleichbar
    5. Selektion basierend auf diesen subjektiven Vergleichen ist grausam.
    Jeder Pädagoge der etwas anderes glaubt hat meiner Meinung nach von Statistik keine Ahnung und vergleicht wahrscheinlich auch den eigenen IQ mit dem anderer.
    Der einzige denkbare Sinn von Zensuren kann deshalb darin liegen, den persönlichen individuellen Fortschritt eines Schülers zu dokumentieren (Nein, das ist nicht schon der heutige Zweck!). Dazu sollte auch jeder Schüler individuelle Aufgaben bekommen - je nachdem in welchen Bereichen noch Bedarf besteht. Derartiges wäre mit heutiger Technik problemlos und wirtschaftlich machbar. Es ist einer der größten Irrglauben unserer Zeit, dass "Chancengleichheit" ein humanistisch vertretbarer Grundsatz für ein Bildungssystem ist. Chancengleichheit klingt gut, heißt jedoch lediglich, dass Schwache schwächer und Starke stärker werden. Die wirtschaftliche Schere unserer Gesellschaft hat leider eine Parallele in der Bildung.
  3. Hirnrissige Vorbedingungen
    Warum brauche ich z. B. Französisch oder Latein um statt an einer FH an einer Uni Informatik studieren zu dürfen? Was bringt mir dazu eine Lehre als Gärtner? Was kann ein lateinisch sprechender Abiturient mehr? Es ist ja sogar möglich, dass ein FOS-Absolvent des sozialen Zweigs der noch zusätzlich Latein gelernt hat an der Uni Informatik studieren kann - einer aus dem technischen Zweig ohne Latein jedoch nicht. Da hilft auch kein Argument, dass es doch machbar ist eine zusätzliche Fremdsprache zu belegen - es bleibt dabei dass es inhaltlich absolut idiotisch ist.
  4. Sackgassen
    Es sollte im Bildungssystem keinerlei Regelung geben, die es einer Person verbietet einen bestimmten Abschluss jemals noch abschließen zu dürfen. Überhaupt ist es der größte Fehler unseres Bildungssystems Zertifikation und Lehre zu verbinden. Unser Bildungssystem ist gesellschaftlich nicht auf lebenslanges Lernen ausgelegt - das ist leider noch ein Wunschtraum.
Im Zeitalter der Globalisierung kann es doch für ein Land wie Deutschland nichts wichtigeres geben als massiv in Forschung und Bildung zu investieren - ich sehe da aber keine Anzeichen dafür.

1 Kommentar:

  1. Bildung statt Schule!

    So gehts: www.EDEJU.de

    Oder persönlich telefonisch: 07666/4575

    Wolfgang Helmeth

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